Aktuelle Forschungsprojekte von Prof. Dr. R. Banse
"MiKADO – Missbrauch von Kindern: Aetiologie, Dunkelfeld, Opfer"
Die Abteilung Sozial- und Rechtspsychologie (Leitung Prof. Dr. Rainer Banse) nimmt an einem vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten multizentrischen Forschungsprojekt mit dem Titel „MiKADO – Missbrauch von Kindern: Aetiologie, Dunkelfeld, Opfer“ unter Leitung der Universität Regensburg (Prof. Dr. Michael Osterheider, Forensische Psychiatrie) teil. Das Projekt hat eine Laufzeit von vier Jahren (2010-2014). Im Rahmen des Projektes wurden Personalmittel (2 Wissenschaftliche Mitarbeiterstellen 50%) sowie Sachmittel im Umfang von €264.350,00 gewährt. Die Abteilung wird im Rahmen des Projektes vor allem Forschungsarbeiten zur Prävalenzschätzung pädophiler Neigungen in der Bevölkerung, der Ätiologie von Pädophilie, sowie zu Risikofaktoren von Missbrauchshandlungen an Kindern und deren Implikationen für therapeutische Interventionen durchführen.
Indirekte Messverfahren der sexuellen Präferenz von Sexualstraftätern mit kindlichen Opfern
Die valide Messung der sexuellen Präferenz von Sexualstraftätern mit kindlichen Opfern gestaltet sich problematisch. Die Eregbnisse direkter Selbstbericht-Methoden sind oftmals durch Leugnungs- oder Selbstdarstellungstendenzen verzerrt. Die meist angewandte indirekte Messmethode der Penisplethysmographie (Phallometrie) hat sich als nur mäßig valide herausgestellt und leidet unter Problemen hinsichtlich geringer Reliabilität, der Anfälligkeit für absichtliche Verfälschungen, der praktischen Anwendbarkeit bei umfassenden Trainingsvoraussetzungen sowie damit verbundenen hohen Kosten und schließlich ethischer Rahmenbedingungen. In Kooperation mit Dr. Jane Clarbour and students of the MSc in Appied Forensic Psychology arbeiten wir an unterschiedlichen indirekten Methoden zur Messung der sexuellen Präferenzen von sexuellen Kindesmißbrauchern. Dieses Vorgehen wird ergänzt durch experimentelle Studien an nicht-kriminellen Strichproben, um die zugrundeliegenden kognitiven und affektiven Mechanismen der verschiedenen Messmethoden besser verstehen zu können.
Implizite und explizite Aggressivität und Vorhersage aggressiven Verhaltens
Ein implizites Maß der Aggressivität (Agg-IAT) ist entwickelt und in mehreren Studien validiert worden. Der Agg-IAT weist befriedigende Konsistenz, moderate Korrelationen mit expliziten Aggressivitätsmaßen und eine gute prädiktive Validität im Hinblick auf gezeigtes aggressives Verhalten in Feld- und Laborsettings auf. Mehrere Projekte sind damit befasst zu untersuchen, 1) wie der Agg-IAT und explizite Maße der Aggressivität durch verschiedene Computer-Spiele beeinflusst werden. 2) In Kooperation mit Dr. W. Schubert (DEKRA) untersuchen wir die prädiktive Validität des Agg-IAT und einer Anzahl spezifischer Fragebogenmaße für dei Vorhersage von Verkehrsdelikten, und 3) wir entwickeln ein neues Laborparadigma, das das Zusammenwirken implizitzer und expliziter Aspekte des aggressivitätsbezogenen Selbstkonzepts, der Impulskontrollfähigkeit und non-verbaler Beschwichtigungsstrategien in Bezug auf seine Auswirkungen auf aggressives oder konstruktives Verhalten gegenüber einem aggressiven Interaktionspartener ermöglicht. Ferner wird 4) untersucht, wie Anti-Aggressivitätstrainings sich auf das implizite und explizite Selbstkonzept von jugendlichen Straftätern in Haft und Schülern im Schulumfeld auswirken.
Beziehungszufriedenheit in arrangierten Ehen
Obwohl die Forschung zur Ehezufriedenheit umfangreich ist, ist die überwältigende Mehrheit emprischer Arbeiten in individualistischen Kulturen wie Westeuropa und den Vereinigten Staaten durchegführt worden, in denen die Wahlheirat überwiegt. Ziel der Untersuchung sind Prädiktoren der Ehezufriedenheit in kollektivistischen Kulturen innerhalb derer arrangierte Ehen die Norm darstellen. In Zusammenarbeit mit den Master-Studenten Tulika Jaiswal and Nadia Al Tamimi wird eine Batterie von Standard Beziehungsfragebögen in Hindi und Arabisch übesetzt. Dieses Projekt hat die Verfügbarmachung von Standard-Messinstrumenten zum Ziel, um diese in Eheberatung und Partnertherapie in Indien und Saudia-Arabien einsetzen zu können. Ein weiteres Ziel ist ein besseres Verständnis der Dynamik von Ehezufriedenheit durch die Kontrastierung von zugehörigen Prädiktoren über verschiedene soziale und Ehesysteme hinweg. Zusätzlich ist geplant eine Stichprobe aus China als eine überwiegend kollektivistische Kultur miteinzubeziehen, inerhalb derer Wahlheiraten die Norm darstellen.
Partnerattraktivität bei Homo- und Heterosexuellen
In einer Serie von Studien wurde untersucht, ob Geschlechtsunterschiede in der Partnerattraktivität, die für Heterosexuelle gut belegt sind (Frauen bevorzugen Status und Ressourcen stärker als Männer, welche wiederum physische Attraktivität mehr schätzen als Frauen) auch für Homosexuelle gefunden werden können. Es gibt Belege, dass homosexuelle Frauen andere Partnerpräferenzen haben als Heterosexuelle. In einer ersten Studie wurden 4000 Partnersuchanzeigen von Hetero- und Homosexuellen untersucht. Die erwarteten Geschlechtsunterschiede für Heterosexuelle konnten repliziert werden, wobei sich jedoch klare Unterschiede speziell für homosexuelle Frauen fanden (diese zeigten noch weniger Interesse an Status und Ressourcen als heterosexuelle Männer). Über zwei Follow-Up Studien wird versucht herauszufinden, ob dieser Unterschied durch spezifische soziale Normen verursacht wird. Erste Belege hierfür konnten durch eine Interviewstudie gewonnen werden. Es wurde eine Studie gestartet um zu prüfen, ob explizite und implizite Partnerpräferenzen homosexueller Frauen konsistent sind. Eine Dissoziation könnte den Einfluss sozialer Normen belegen. Stellen sich jedoch die homosexuellen Partnerpräferenzen von Frauen auch auf impliziter Ebene als unterschiedlich dar, wäre dieser Befund im Rahmen der Evolutionspsychologie nur schwer zu erklären.
Zu allen Forschungsprojekten sind Manuskripte in Arbeit.
