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Abschlussarbeiten

Wir bieten im Rahmen unserer Forschungstätigkeit eine Reihe von Themen an, zu denen Bachelor- und Masterarbeiten geschrieben werden können. Die Fragestellungen stammen aus dem Bereich der Allgemeinen Psychologie bzw. der kognitiven, affektiven und sozialen Neurowissenschaften. Unser methodischer Ansatz umfasst Verhaltensmessungen und die Analyse von Hirnströmen mit dem Elektroenzephalogramm (EEG) bzw. aus dem EEG extrahierten ereigniskorrelierten Potenzialen (EKPs).

 

(Stand 08/2016)

  • Mechanismen des evaluativen und sozial-affektiven Primings; insb. Studien zum Einfluss der Prime-Verarbeitungstiefe auf die Richtung und Stärke des Priming-Effekts
  • Neuronale Mechanismen kognitiver Kontrolle beim Lügen bzw. instruierten Falschantworten: Ein Zugang zur individuellen Lügendiagnostik?
  • Hirnelektrische Korrelate früher semantischer und lexikalischer Stufen der Wortverarbeitung
  • Dissoziation der medial-frontalen Hirnaktivität für Reize mit intrinsischer vs. aufgabenspezifischer positiver Valenz
  • Erwartungseinflüsse auf die perzeptuelle Reizverarbeitung
  • Effekte kognitiver und perzeptueller Verarbeitungsflüssigkeit auf affektive Urteile

 

  • Mechanismen des affektiven und sozial-affektiven Primings

Wie unabhängig ist mein eigenes Urteil? Ändert sich meine Bewertung eines Bildes, wenn ich beim Betrachten in der Galerie zufällig gerade das Wort "schön" vernommen habe? Frühere Studien haben tatsächlich gezeigt, dass die Bewertung von Reizen davon beeinflusst werden kann, welchen affektiven Gehalt ein vorher präsentierter Reiz hat: Bewerten wir z.B. die Schönheit von Bildern, so beurteilen wir sie in der Regel als schöner, wenn sie kurz nach positiven Reizen (z.B. Wörtern oder auch Bildern) dargeboten werden, als wenn sie auf negative Reize folgen. Eine besondere Relevanz dieses evaluativen Priming-Effektes (EPE) kann man sich in sozialen Zusammenhängen vorstellen: Wenn man vor der Verarbeitung und Bewertung eines Reizes weiß, wie andere Menschen diesen beurteilt haben, beeinflusst das vermutlich die Verarbeitung des Reizes. Wir untersuchen in Verhaltens- und EEG-Experimenten, welche Prozesse dem affektiven Priming (sowohl allgemein als auch in sozialer Einbettung) zugrundeliegen. Dabei wird unterschieden zwischen automatischen, den EPE mediierenden Prozessen wie Affektmissattribution und Reaktions-Priming, sowie kontrollierten, kapazitätslimitierten Prozessen, die den EPE zumeist reduzieren (z.B. bewusstes Gegensteuern).

Bachelor: Aufbauend auf bestehenden EEG-Befunden könnte in Verhaltensstudien unter anderem geklärt werden, welche Rolle die Tiefe der Verarbeitung der affektiven und/oder sozial-affektiven Primes für den Effekt spielt. Die Verarbeitungstiefe der Primes kann dabei z.B. über eine parallele Arbeitsgedächtnisbelastung, die Darbietung konkurrierender Störreize (Distraktoren), oder spezifische Instruktionen für die Probanden zum Umgang mit den Primes experimentell manipuliert werden.

Master: Mittels 64-Kanal-EEG-Studien könnten ebenfalls, anhand neurophysiologischer Marker, die Effekte einer experimentell manipulierten Tiefe der Prime-Verarbeitung auf die verschiedenen Teilmechanismen des EPE  untersucht werden. Außerdem könnte die Unterscheidung von Anpassung und Widerstand (also Kongruenz- und Reaktanzeffekten) Gegenstand von Abschlussarbeiten sein.

Ansprechpartner: Robert Schnuerch und Henning Gibbons

 

  • Neuronale Mechanismen kognitiver Kontrolle beim Lügen bzw. instruierten Falschantworten: Ein Zugang zur individuellen Lügendiagnostik?

(in Kürze verfügbar)

Bachelor:

Master:

Ansprechpartner: Robert Schnuerch und Henning Gibbons

 

  • Hirnelektrische Korrelate früher semantischer und lexikalischer Stufen der Wortverarbeitung

Es ist seit langem bekannt, dass Sprachverarbeitung im Gehirn lateralisiert erfolgt (in der „dominanten“ Hemisphäre). Läsionsstudien und Studien mit bildgebenden Verfahren (fMRT, PET) konnten vielfach eine zentrale Rolle des sog. Wernicke-Areals für sprachrezeptive Prozesse belegen, das sich (bei Rechtshändern) im linken parieto-temporalen Kortex befindet. Überraschender Weise wurde jedoch in bisherigen Studien mit ereigniskorrelierten Potenzialen (EKPs), die aus dem Elektroenzephalogramm (EEG) extrahiert werden können, Sprachverarbeitung vorwiegend anhand unlateralisierter Indikatoren untersucht (N400-Komponente). Bisherige Befunde unserer Arbeitsgruppe legen jedoch nahe, dass ein lateralisiertes EKP-Maß, die posterior semantic asymmetry (PSA), die etwa 250-350 ms nach Dabietung eines Wortes auftritt und sich durch Subtraktion rechtshemisphärischer von linkshemisphärischer Hirnaktivität ergibt, ein  anschaulicheres, differenzierteres und sensitiveres Maß für frühe semantische Stufen der Sprachverarbeitung liefert. Aktuelle Ergebnisse zeigen weiterhin, dass auch prä-semantische, links-lateralisierte Prozesse der (lexikalischen) Wortverarbeitung zwischen 200 und 250 ms in  lateralisierten EKP-Maßen besser herausgearbeitet werden können als in unlateralisierten EKPs.

Master: Mit 64-Kanal-EEG-Studien soll die PSA und ihr vorauslaufende lateralisierte lexikalische EKP-Komponenten genauer charakterisiert werden und ihre Sensitivität für sprachrelevante experimentelle Bedingungen (z.B. Präsentation von abstrakten vs. konkreten Wörtern, vs. Nonwörtern, vs. Buchstabenketten, vs. Zahlenketten) untersucht werden. Auch Einflüsse der Darbietungsmodalität (visuell vs. akustisch), der Verarbeitungstiefe der Reize (beachtet vs. unbeachtet vs. subliminal), semantischer und affektiver Priming-Effekte, sowie Geschlechtsunterschiede sind hierbei von Interesse.

Ansprechpartner:

Judith Koppehele-Gossel, Robert Schnuerch, Henning Gibbons

 

  • Dissoziation der medial-frontalen Hirnaktivität für Reize mit intrinsischer vs. aufgabenspezifischer positiver Valenz

 

(in Kürze verfügbar)

Bachelor:

Master:

Ansprechpartner: Henning Gibbons und Robert Schnuerch

 

  • Erwartungseinflüsse auf die perzeptuelle Reizverarbeitung

Was passiert in unserem Gehirn, wenn unsere Wahrnehmung von Erwartungen beeinflusst wird? Es ist seit langem bekannt, dass identische Reize anders verarbeitet werden, wenn sie erwartet oder eben nicht erwartet werden. Mit neurowissenschaftlichen Methoden wurde darüber hinaus gezeigt, dass diese Veränderungen auch bereits in den primären sensorischen Arealen stattfinden. Aber wie früh genau? Kann das erwartungsbasierte Fein-Tuning perzeptiver Neurone bereits Veränderungen auf der allerersten Ebene kortikaler Verarbeitung bewirken, d.h. innerhalb der ersten 100 ms nach Reiz-Onset? Wir wollen in diesem Zusammenhang z.B. zunächst mit Verhaltensstudien zur Tonhöhe untersuchen, ob Töne, die als hoch angekündigt wurden, tatsächlich auch als höher wahrgenommen werden, verglichen mit (gleich hohen) Tönen, die als niedrig angekündigt wurden (B.Sc.- oder M.Sc.-Arbeit). Da die (tatsächliche) Tonhöhe ein spezifisches frühes Korrelat in der ereigniskorrelierten Hirnaktivität im EEG aufweist, soll nachfolgend untersucht werden, ob dieses Korrelat auch sensitiv ist für einen erwartungsbasierten Wahrnehmungsbias (M.Sc.-Arbeit). Analog ergeben sich für die visuelle Modalität Möglichkeiten für B.Sc.- und M.Sc.-Arbeiten. Schließlich kann diese Thematik in Zusammenhang mit sozialem Einfluss gebracht werden. Dabei werden perzeptuelle Erwartungen induziert, indem den Probanden mitgeteilt wird, wie eine Referenzgruppe die Reize eingeschätzt hat (vgl. z.B. Asch-Paradigma).

Bachelor/Master: In Verhaltensexperimenten könnte vor allem mit Hilfe psychophysischer Verfahren (z.B. mit psychometrischen Funktionen oder signalentdeckungstheoretischen Maßen) modelliert und untersucht werden, ob sensorische Informationen Erwartungs-einflüssen unterliegen.

Master: In 64-Kanal-EEG-Studien soll auf der Grundlage spezifischer Hirnkorrelate der frühen perzeptuellen Reizverarbeitung geklärt werden, ob Erwartungen (zum Beispiel auf Grundlage sozialer Vorinformation) diese frühen Stufen der Verarbeitung beeinflussen kann.

Ansprechpartner: Henning Gibbons und Robert Schnuerch

 

  • Effekte kognitiver und perzeptueller Verarbeitungsflüssigkeit

Auf den ersten Blick paradox: Je weniger gute Eigenschaften Sie von sich aufzählen sollen, desto besser würden Sie sich anschließend bewerten. Denn es geht leichter, wenige (statt viele) gute Eigenschaften aufzuzählen. In der psychologischen Forschung hält sich seit Jahren das Konzept der Verarbeitungsflüssigkeit: Je leichter der Abruf von bestimmten Informationen fällt (z.B. guten Eigenschaften einer Person), desto eher bewerten wir etwas in die entsprechende Richtung (z.B. dass diese Person ein guter Mensch ist). Die Leichtigkeit des Abrufs (oder auch Zugänglichkeitserfahrung) soll unter anderem politische Einstellungen beeinflussen können. Außerdem wurde vorgeschlagen, dass auch die Leichtigkeit, mit der Dinge wahrgenommen werden, affektive Urteile beeinflussen.

Bachelor: In Verhaltensstudien sollte geklärt werden, inwiefern (a) die Abrufleichtigkeit und (b) die perzeptuelle Verarbeitungsflüssigkeit tatsächlich affektive Urteile und/oder unsere Einstellung gegenüber Dingen oder Personen verändern können. Unter anderem soll untersucht werden, wie langfristig solche Effekte überhaupt sind.

Master: Mit Hilfe von 64-Kanal-EEG-Studien könnte untersucht werden, ob sich anhand von hirnelektrischen Korrelaten messbare Veränderungen der perzeptuellen Verarbeitung nachweisen lassen, die später zu entsprechend modulierten Urteilen führen. Eine Frage wäre hierbei, wie sich die Verarbeitungsflüssigkeit  psychophysiologisch erfassen und beschreiben lässt.

Ansprechpartner: Robert Schnuerch und Henning Gibbons

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