Veröffentlichungen des Projektes

 

Der Unterschied zwischen Burnout und Depression:

Persönlichkeit spielt eine Rolle!


Schon seit längerer Zeit ist bekannt, dass Persönlichkeit eine wichtige Rolle als Schutz- beziehungsweise Risikofaktor für psychisyche Erkrankungen spielt. Gerade Menschen mit ausgeprägtem Neurotizismus (ängstlich, passiv, depressiv etc.) und Menschen mit geringer Selbstgerichtetheit (die Erwartung, das eigene Leben selbst zu kontrollieren) neigen zu Stresserkrankungen wie Depressionen oder chronischen Schmerzen. Eine bisher unbeantwortete Frage ist aber, inwieweit Persönlichkeitsmodelle und -fragebogen auch genutzt werden können, um Burnout und Depression voneinander abzugrenzen. Bis zum heutigen Tage besteht nämlich die Diskussion, ob Burnout tatsächlich ein komplett eigenständiges Krankheitsbild darstellt oder ob es nur eine sapezielle Form der Depression ist. Sollten sich qualitative oder quantitative Unterschiede im Zusammenhang beider Phänomene zu Persönlichkeit zeigen, so wäre dies ein deutlicher Hinweis auf die eigenständigkeit des Burnout-Syndroms.

Um den Zusammenhang zu erforschen, wurden zwei unabhängige Stichproben von 944 Berufstätigen und 425 Patienten aus psychosomatischen Kliniken mit Fragebogen auf ihre Persönlichkeitseigenschaften sowie auf Burnout- und Depressionsbelastung hin untersucht.

Im Ergebnis zeigen sich sowohl für Burnout als auch für Depression die gleichen Persönlichkeitseigenschaften als relevant (vergleiche oben). Interessanterweise war aber der Zusammenhang zu Persönlichkeit in beiden Stichproben bei Depression fast doppelt so groß wie bei Burnout. Es ist daher davon auszugehen, dass Persönlichkeit für Depressionen eine wesentlich größere Rolle spielt als für Burnout.

Eine mögliche Erklärung für diesen Unterschied liegt in den unterschiedlichen Lebensumwelten, aus denen heraus Burnout beziehungsweise Depression erwächst: Burnout ist eine im Wesentlichen berufsbezogene Erkrankung, während die Depression alle bereiche des Lebens betrifft. Für viele Menschen sind die Rahmenbedingungen an ihrem Arbeitsplatz stärker vorgegeben als jene im Privatleben. Daher können am Arbeitsplatz auch die Bedingungen schlechter verändert werden. Persönlichkeit hat wiederum einen stärkeren Einfluss darauf, wie Menschen mit Problemen umgehen, zum Beispiel ob sie eher versuchen Probleme zu lösen oder sich zurückzuziehen. Daher könnte der geringere Zusammenhang von Persönlichkeit mit Burnout ein Hinweis darauf sein, dass Burnout häufig eher aus nicht veränderbaren Situationen heraus entsteht, was es deutlich von einer Depression unterscheiden würde. Um diese Unterscheidung genauer zu verstehen, sollten zukünftige Studien Berufstätige über einen längeren Zeitraum begleiten um zu verstehen, wie sich der Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und Stresserkrankungen im Verlaufe des Berufslebens entwickelt.


Zum originalen Artikel geht es hier: Differentiating burnout from depression: personality matters!

 

 

Traumatische Lebensereignisse als potenzieller Risikofaktor für eine  Depressionserkrankung oder chronische Überlastung am Arbeitsplatz

 

Das Burnoutsyndrom und insbesondere dessen Zusammenhang mit dem Konstrukt der Depression wird seit einigen Jahrzehnten sehr intensiv diskutiert. Die entscheidende Frage ist, inwieweit Burnout als eigenständiges Konstrukt gesehen kann. Hier gehen die Meinungen dazu, ob Burnout nur ein anderer Begriff für eine Depression, ein Prodromalsyndrom („Vorläufererkrankung“) der Depression oder aber eine völlig eigenständige - wenn auch der Depression verwandte - Erkrankung ist, auseinander. Ein Argument für die Trennung der beiden Konstrukte, das immer wieder ins Feld geführt wird, ist, dass Burnout sich auf Aspekte des Arbeitslebens bezieht und – noch wichtiger – auch hier seinen Ursprung findet. Im Gegensatz dazu kann eine Depression sich auf alle Lebensbereiche beziehen und auch aus den verschiedensten Gründen entstehen. Im Zusammenhang damit wurde bereits vielfach gezeigt, dass die Entwicklung einer Depression durch das Auftreten vieler sogenannter kritischer Lebensereignisse begünstigt wird. Als kritische Lebensereignisse werden Erfahrungen bezeichnet, die typischerweise einen erheblichen Einschnitt in das Leben eines Individuums bedeuten. Dies können eine Trennung nach langjähriger Partnerschaft, der Tod einer nahestehenden Person, die Scheidung der Eltern, Erfahrungen von Gewalt, der Verlust des Arbeitsplatzes und noch viele andere Erlebnisse sein. Bei steigender Anzahl solcherlei (negativer) Erfahrungen steigt das Risiko für eine Depression je nach Verteilung anderer Risikofaktoren mitunter immens an. Wenn Burnout und Depression nun identische Konstrukte sind, die sich nur in der Benennung unterscheiden, ließe sich annehmen, dass Burnout ähnlich hoch mit kritischen Lebensereignissen zusammenhängen sollte wie Depression. Davon ausgehend, dass beide Konstrukte sich trotz konzeptueller und symptomatischer Verwandtschaft unterscheiden, sollte dieser Zusammenhang geringer ausfallen, da Burnout sich vor allem auf jobspezifische Inhalte bezieht, während kritische Lebensereignisse in allen Bereichen des Lebens auftreten.

Um diese Annahmen zu testen, wurden in der vorliegenden Studie eine Stichprobe mit 755 Arbeitnehmern und eine Stichprobe mit 397 stationären Depressionspatienten untersucht, die verschiedene Symptomfragebögen ausfüllten und die Anzahl traumatischer Lebenserfahrungen berichteten.

Es zeigte sich sowohl in der gesunden, als auch in der klinischen Stichprobe, dass der Zusammenhang zwischen Depression und traumatischen Lebensereignissen enger ausfiel als der Zusammenhang zwischen Burnout und der Anzahl traumatischer Lebensereignisse. Dennoch zeigen die Daten in Einklang mit anderen Befunden aus dem Feld eine große Nähe zwischen den beiden Konstrukten. Wenn man Burnout als Prodromalsyndrom der Depression betrachtet, wäre es durchaus denkbar, dass der Zusammenhang zu kritischen Lebensereignissen bei zunehmender Chronifizierung eines Burnoutsyndroms bis hin zum Münden in eine Depression enger wird. Darüber könnten in Zukunft Studien Aufschluss geben, die die Versuchspersonen über einen längeren Zeitraum hinweg begleiten und mehrfach Symptommessungen vornehmen.

Auf Basis der zugrundeliegenden Daten finden sich zusammenfassend jedoch Hinweise dafür, dass Burnout und Depression nicht deckungsgleich sind, sondern getrennt betrachtet werden können. Unterstützt wird dies dadurch, dass wir auch bei bereits erkrankten Personen die gleichen zugrundeliegenden Mechanismen beobachten.


Zum originalen Artikel geht es hier: Life stress as potential risk factor for depression and burnout.


 

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